Deutscher Immobilientag in Berlin – Die Zukunft der Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft

 
Im großen Rahmen eröffnete Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes Deutschland, am 1. Juni den Deutschen Immobilientag (DIT) in Berlin. Mit über 1.600 Teilnehmern erfreute sich der IVD über eine mehr als dreifach so hohe Anmeldung wie im Vorjahr. Schick begrüßte die Teilnehmer vor der eindrucksvollen Kulisse des Berlin Congress Centers. Die Besonderheit in diesem Jahr lag auf dem neuen Konzept: Es war ein Kongress für jedermann, sowohl für die Geschäftsführer als auch die Mitarbeiter  der Mitgliedsunternehmen und Mitgliedsinteressenten. „Die Veränderungen, die Digitalisierung trifft jede Zelle eines Unternehmens, sie trifft jeden Mitarbeiter. Deshalb muss sich auch jeder mit dem Thema beschäftigen“, sagte der IVD-Präsident zur Eröffnung.
 
Der Deutsche Immobilientag stand ganz im Zeichen des aktuellen Bundeswahlkampfes sowie der Digitalisierung. Schick machte direkt zu Beginn des Kongresses deutlich, was der IVD auf politischer Ebene fordert. Die aktuelle Diskussion des Mietrechts wurde dabei direkt aufgegriffen. Der IVD machte darauf aufmerksam, dass der Einfluss des Gesetzgebers auf Preise und Werte von vielen in der Branche unterschätzt wird. Beispielsweise die Mietpreisbremse: „Es wurde in den vergangenen Monaten deutlich, dass dieses Verfahren keine Wirkung erzielte und eine weitere Verschärfung die Situation nur verschlimmern würde“, erläuterte Schick. Auch die Modernisierungsumlage von elf auf acht Prozent zu senken, sieht der IVD als völlig falsch an. Der IVD versprach, sich weiterhin in dieser Thematik für die Immobilienbranche starkzumachen und forderte weniger Eingriffe der Politik in den Wohnungsmarkt.
 
Zudem kritisierte Schick die Pläne der SPD für die Einführung des Bestellerprinzips beim Immobilienkauf. „Eine solche Maßnahme wird dem Käufer letztendlich nichts bringen, da der Verkäufer die Kosten wohl einfach auf den Kaufpreis draufschlagen würde. Dadurch würde sich nur die Grunderwerbsteuer für den Käufer erhöhen, ohne dass er sich diese mitfinanzieren lassen kann. Einziger Nutznießer wäre wieder einmal der Staat. Davon abgesehen wären Makler dann gezwungen, nur noch im Interesse des Verkäufers aktiv zu werden.“, erläuterte Schick. Der Makler sei jedoch gerade für den Käufer ein unerlässlicher Berater für seine Zukunft und Kapitalanlage. „Die wertvolle Arbeit des Maklers muss gesehen werden und die Politik muss aufhören gegen sie zu arbeiten“, forderte Schick.
 
Aber der IVD kritisierte nicht nur die Politik, sondern gab auch wertvolle Anstöße für die kommende Legislaturperiode. In seiner Rede forderte Jürgen Michael Schick die Förderung des Wohneigentums in Deutschland. „Nicht einmal die Hälfte der Haushalte lebt hier in Eigentumswohnungen oder eigenen Häusern. Das ist sonst in keinem anderen Land der Europäischen Union der Fall“, zeigte Schick auf. Mehrere Parteien werden sich voraussichtlich die Förderung von Wohneigentum ins Wahlprogramm geschrieben. Der IVD hofft, dass es in diesem Falle auch zu einer Umsetzung des geschriebenen Wortes kommt. Als weiteres Problem hierbei sieht der IVD die Grunderwerbsteuer. Diese ist in den vergangenen zehn Jahren in einigen Bundesländern auf das dreifache erhöht worden. „Es ist so schon schwierig genug für die allermeisten Familien, genügend Eigenkapital für eine Eigentumswohnung oder ein Haus aufzubringen. Ein Ottonormalverbraucher muss mindestens 20 Prozent selbst aufbringen. Aber was machen die Länder? Sie erhöhen den benötigten Eigenkapitalbetrag sogar noch, in dem sie die Grunderwerbsteuer erhöhen“, erklärte Schick. Der IVD fordert daher eine bundesweite Senkung der Grunderwerbsteuer auf 3,5 Prozent.
 
Zum Schluss der Eröffnungsrede betonte Jürgen Michael Schick die Wichtigkeit der Digitalisierung in der Immobilienbranche und untermalte seine Aussage mit einem Zitat von Mark Twain: „In 20 Jahren wirst Du die Dinge, die Du nicht getan hast, mehr bedauern, als Deine Taten.“
 
Im weiteren Verlauf des Tages griff Dirk Wohltorf, Vorsitzender des IVD Berlin-Brandenburg, die aktuellen politischen Themen am Beispiel Berlin-Brandenburg auf. Er sprach wie Schick zuvor auch von einem regelrechten Eigentumsskandal, verursacht durch die Politik. „Wachstum und Wohlstand bekommt man nicht umsonst. Ein Erhalt der einzelnen Kieze und der Milieuschutz von Seiten des Senats macht die Förderung von Eigentum schwer. Durch diesen Schutz der Gebiete wird die Umsetzung von Neubauprojekten und die damit verbundene Beschaffung von Wohnraum nur verkompliziert“, sagte Wohltorf. Im Namen des IVD Berlin-Brandenburgs betonte er, dass es sich die Immobilienwirtschaft nicht verbieten lassen dürfe, Deutschlands größtes und buntestes Schaufenster zur Welt mitzugestalten.

 

Mit der digitalen Kampagne zum Erfolg

Der DIT war geprägt von großen Rednern und unterhaltsamen Vorträgen. Zu diesen zählte unter anderem der Kampagnenberater Julias van de Laar. Van de Laar schaffte es mit seiner humorvollen Art das Publikum zu begeistern und den Gästen mit einigen Lachern die mögliche Zukunft des Weißen Hauses unter Donald Trump zu demonstrieren. Doch natürlich vermittelte van de Laar auch wertvolle Inhalte. Nicht umsonst war er beteiligt an einer der wichtigsten Kampagnen der Welt – dem Wahlkampf von Barack Obama. Ganz im Zeichen der Digitalisierung erläuterte van de Laar, wie wichtig „digital campagning“ ist. „Werten Sie Ihre Daten aus und prüfen Sie Ihre Erfolge. Analysieren Sie Ihre Medien und testen, was gut funktioniert“, empfahl van der Laar. Im Internet und im digitalen Raum könnten wir unsere Erfolge messen und darauf entsprechend reagieren. Zudem lasse sich ein umfangreiches Bild über den User erstellen und mit Hilfe von E-Mail-Adressen Kontakte akquirieren. „Durch diese Analyse werden die Kampagnen ,klug´ und stetig verbessert“ erklärte van de Laar. Diese Analyse verbunden mit authentischen Botschaften führe zum Erfolg. Ein Erfolg, den sich die Immobilienbranche zu Nutzen machen könne und müsse. Mit Hilfe solcher Richtlinien und digitalen Analysen ließen sich auch in der Zukunft der Immobilienwirtschaft wunderbare Siege verzeichnen, erläuterte van de Laar.

 

Namhafte Immobilienjournalisten diskutieren über politische Zwischentöne

Herausragend war auch der folgende Programmpunkt: In einer Diskussionsrunde mit den Top-Immobilienjournalisten Deutschlands wurden die für die Immobilienbranche relevanten Punkte der Politik heiß diskutiert. Geführt wurde die Runde vom Radioeins-Moderator Marco Seiffert. Dieser führte auch durch das ganze Programm des Kongresses und lockerte den Deutschen Immobilientag mit seinem Humor auf. Die Journalistenrunde selbst bestand aus Gerda Gericke (Immobilien Zeitung), Andreas Remien (Süddeutsche Zeitung), Michael Psotta (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Michael Fabricius (Die Welt/N24).
 
Bei der Mietpreisbremse konnten von den Journalisten verschiedene Meinungen von „sofort abschaffen“ bis „unbedingt beibehalten“ vernommen werden. Doch es wurde auch dabei wieder schnell deutlich, dass die Mietpreisbremse zu keinerlei Entlastung auf dem Mietmarkt geführt hat. In der Journalistenrunde kam hierbei die Frage auf, wie weit sich die Regierung generell in diese Thematik einmischen darf und sollte.
 
Abschließend wurde verdeutlicht, wie wichtig die Art des neuen Wohnraumes für die Gesellschaft ist. „Neubau ist die Lösung des Wohnmangels“, erklärte Gericke. Es werde günstiger Wohnraum benötigt, aber falsch gebaut. Eine bessere Verteilung von Wohngeld, Sozialwohnungen und bezahlbaren Wohnen müsse zur Aufgabe der neuen Regierung gemacht werden, so die Forderung aus der Runde.

 

Politische Zwischentöne von Gunther Adler, Staatssekretär Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

Mit dem anschließenden Referenten Gunther Adler (BMUB) erhielt die Diskussion der Journalistenrunde einen politischen Sprecher. Auch Adler verdeutlichte, wie wichtig das Wohngeld für die aktuelle Wohnungssituation ist. „Wir brauchen eine permanente Anpassung der Unterstützung an den Wohnungsmarkt und die wohngeldbeziehenden Personen. Nur auf diese Weise ist diese Art der Förderung wirklich wirksam“, erläuterte Adler. Eine „Wohnungsraumversorgung für alle“, betonte Adler als Ziel des BMUB. Des Weiteren forderte er einen Einklang der verschiedenen Bereiche Sozialbau, Klimaschutz und Wirtschaft, um gemeinsam ein einheitliches, wirkungsvolles Ziel zu erreichen. Adler fand in seiner Rede eine treffende Überleitung zum Schwerpunkt des DIT – der Digitalisierung. Denn auch die Ministerien seien sich der Wichtigkeit der Digitalisierung bewusst und unterstützen den Prozess: „Anhand von verschiedenen Pilotprojekten versuchen die Ministerien die Prozesse zu verstehen und ihre Wichtigkeit zu analysieren“, erklärte Adler. In einem weiteren Punkt erläuterte er die Digitalisierung mit dem Beispiel der „Smart City“: Die Stadtentwicklung sei stark durch diesen Aspekt geprägt und versuche die intelligente Stadt sauberer, attraktiver und Lebenswerter zu machen. „Natürlich ist dieser Prozess auch mit Problemen wie dem Datenschutz verbunden“, sagte Adler. Eine aktuelle Diskussionsplattform mit Experten, gefördert durch das BMUB solle Chancen und Risiken der Smart-City analysieren und einen Handlungsfaden herausfiltern.

 

Top-Speaker Christoph Keese und Hermann Scherer begeisterten die Zuhörer

Mit Spannung wurde der Vortrag von Christoph Keese erwarten. Der Autor lebte mehrere Jahre im Silicon Valley und veröffentlichte das gleichnamige Buch sowie den weiteren Titel „Silicon Germany“. Direkt zu Beginn seiner Rede animierte Kesse die Teilnehmer mit folgenden Worten: „In den kommenden Jahren werden Milliarden Euro in der Immobilienbranche durch Digitalisierung gemacht. Die nächste Phase der Digitalisierung können Nutzen und Wirkung für die Branche haben, die wir uns nicht ausmalen können. Die Immobilienbranche muss sich den Nutzen von Plattformen aneignen. Sie bringen Angebote und Nachfrage zusammen, wodurch das Leben unfassbar vereinfacht wird“, erläuterte Kesse.
 
Für einen amüsanten Abschluss des ersten Tages sorgte Top-Speaker Hermann Scherer. Der Motivator schaffte es mit viel Witz und Humor das Publikum zu unterhalten und zum Denken anzuregen. „Digitalisierung bringt ein wunderbares Chaos einher. Und das Chaos ist das Einzige, was uns weiterbringt“, erläuterte Scherer.
 

IVD stellt Digitalkompass vor

Die Vorstellung des Digitalkompasses des IVD war eine der von den meist verfolgten Präsentationen der DIT-Teilnehmer. Der Digitalexperte Klaus Saloch betonte zu Beginn seiner Rede, dass man von einer Digitalisierungsmanie sprechen könne. Eine harte Aussage, die wohl aber die Angst vieler Leute widerspiegelt. Mit dem Digitalkompass sollen die Mitglieder des IVD zukünftig an die Hand genommen werden. Das Programm schafft individuelle Lösungen für jedes Unternehmen. Es passt sich dabei ganz den Bedürfnissen an – egal ob Makler, Verwalter oder Sachverständiger.
 

Deutscher Immobilientag bot freie Workshops für alle Teilnehmer

Ein besonderes Highlight in diesem Jahr waren die Workshops. Parallel zu den spannenden Vorträgen der Referenten konnten sich die Teilnehmer an beiden Tagen zu umfangreichen Thematiken weiterbilden. Erstmalig ermöglichte der IVD seinen Gästen dieses kostenfreie Angebot. Die Digitalisierung stand auch bei den Workshops ganz weit oben auf der Agenda. In sieben Parallelpanels konnten sich die Teilnehmer zu Verwalter-, Sachverständigen-, Online-Marketing- und PR-Themen weiterbilden. Das Angebot wurde zahlreich angenommen und die einzelnen Workshops waren rundum gut besucht. Durch aktive Mitarbeit und rege Diskussionsrunden wurden die Workshops interessant gestaltet und stießen durchweg auf positive Resonanz. Der IVD wollte und konnte hierdurch seine Mitglieder und Gäste aktiv unterstützen und bei aktuellen Thematiken aktiv zur Seite stehen.
 
Der Deutsche Immobilientag 2017 war in vielen Punkten ein voller Erfolg. Spannende Reden, wertvolle Workshops und die große Anzahl an Teilnehmern sprechen definitiv dafür. Der IVD bedankt sich herzlich bei allen Rednern und Teilnehmern für den zweitägigen Kongress und freut sich bereits heute auf den DIT im kommenden Jahr. 
 
 
 
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