Rückblick 2019

„Das war der schönste Deutsche Immobilientag aller Zeiten!“

Zahlreiche Teilnehmer und Mitwirkende schwärmten: „Das war der schönste Deutsche Immobilientag aller Zeiten!“ Der DIT 2019 bot tatsächlich alles, was ein spannendes Branchenevent ausmacht: Top-Speaker, Trends, Weiterbildung, Netzwerk und Unterhaltung. Rund 1.500 Immobilienprofis kamen am 6. und 7. Juni ins Berliner Congress Center bcc zur wichtigsten Fachveranstaltung des Jahres.

Wie groß das Interesse der Immobilienbranche an einem fachlichen Austausch und an einer politischen Debatte ist, zeigte sich bereits im Vorfeld: Die Anmeldung musste wegen der hohen Nachfrage schon Tage vor der Veranstaltung geschlossen werden. Eine gewisse Brisanz bargen dieses Jahr die zuletzt immer stärker werdenden Anfeindungen gegenüber Teilen der Immobilienwirtschaft. Zunehmend werden Immobilienunternehmen für Wohnraummangel und steigende Mieten verantwortlich gemacht — geschürt ein Stück weit von Politik und Medien.

Darauf hat auch IVD­Präsident Jürgen Michael Schick in seiner Eröffnungsrede hingewiesen. Er kritisierte, dass die Politik mit Enteignungsdebatten oder mit Vorhaben wie dem Berliner Mietendeckel, für den das Land Berlin gar keine Gesetzgebungskompetenz habe, vornehmlich von ihrer verfehlten Wohnungspolitik ab lenken will. Dabei sah er insbesondere die Neubaupolitik kritisch: Während das Ziel in Deutschland ist, jährlich 375.000 neue Wohnungen zu errichten, sind 2018 tatsächlich nur 285.000 Wohnungen entstanden.

Die weiteren Regulierungen, die im Bundesjustizministerium geplant sind, würden diese Problematik nach Ansicht des IVD­ Präsidenten nur noch verschärfen: Schick berichtete in seine Rede von einem in der Ressort abstimmung befindlichen Gesetzentwurf, demzufolge in ganz Deutschland in Gegenden mit einem knappen Angebot zukünftig Mieten nicht oberhalb von 20 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete vereinbart werden dürfen. Für Neubau gelte nur die ersten fünf Jahre eine Ausnahme. Wenn dieses Gesetz kommt, prognostizierte Schick, „ist der Neubau mausetot“.

Auch am sogenannten Bestellerprinzip, das das Bundesjustizministerium gerne für Kaufimmobilien einführen würde, ließ Schick kein gutes Haar. Statt selbst dafür zu sorgen, dass die Hürden auf dem Weg zum Wohneigentum geringer werden, schiebe die Politik die Verantwortung an die Immobilienmakler ab, ohne dass Wohneigentum dadurch tatsächlich erschwinglicher würde.

In eine ähnliche Kerbe schlug auch Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU/CSU­ Bundes tags fraktion. In Richtung des Publikums, das aus vielen Immobilienmaklern, Ver waltern und Sachverständigen bestand, sagte er: „Sie leisten eine wichtige Arbeit.“ Der Markt funktioniere nicht ohne Intermediär, der gewährleiste, dass sich zwei Verhandlungsparteien auf Augenhöhe begegnen könnten. Und Brinkhaus fügte hinzu: „Gute Arbeit hat auch einen angemessenen Preis.“ Nach Brinkhaus richtete FDP­Chef Christian Lindner ebenfalls ein Grußwort an die Besucher des Deutschen Immobilientags 2019. Er kritisierte das sogenannte Bestellerprinzip deutlich, dessen Idee zwar populär sei, aber Klischees bediene. Lindner betonte, dass in Deutschland der Eindruck vorherrscht, der Immobilienmakler sei Agent des Verkäufers, dabei habe der Makler die Funk tion, den Markt transparent zu machen. Das geplante Bestellerprinzip würde diese Funktion verändern — dann sei der Makler nur noch eine Art Vertriebsmitarbeiter.

Ohne Makler würden viele Immobilien nur noch „unter der Hand“ verkauft, der Markt werde intransparent. „Populismus gibt ein fache, aber falsche Antworten“, sagte Lindner. Statt des sogenannten Bestellerprinzips forderte er einen Freibetrag von 500.000 Euro auf die Grunderwerbsteuer für Ersterwerber von selbst genutzten Immobilien.

Lindner rechnete außerdem vor, dass in Deutschland 1,9 Millionen Wohnungen fehlten, was einem Investitionsbedarf von 280 Milliarden Euro entspricht. Um diesen Bedarf zu erfüllen, sei die private Wohnungswirtschaft unerlässlich.

Einen spannenden und sehr unterhaltsamen Vortrag hielt am ersten Veranstaltungs tag des DIT 2019 außerdem Prof. Bernd Raffelhüschen, der über den Glücksatlas Deutschland und einige aufschlussreiche Statistiken sprach. Dabei beleuchtete er unter anderem die in der Öffentlichkeit so heftig diskutierten Preissteigerungen für Miet­ und Kaufimmobilien aus einer anderen Perspektive: Würde man nämlich nicht einfach den Preis betrachten, sondern die Zeit, die Durchschnittsverdiener für ihre Wohnkosten arbeiten müssen, sind Miet­ und Kaufpreise im Vergleich zu früheren Zeiten deutlich erschwinglicher geworden.
Am zweiten Veranstaltungstag stand aus politischer Sicht vor allem die Grundsteuerreform im Fokus. Es soll ein Bundesgesetz geben, das dem Ertragswertmodell von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) folgt, jedoch sollen die Länder insbesondere auf Wunsch von Bayern ein eigenes Grundsteuergesetz erlassen dürfen. Der
zeitig befindet sich der Entwurf in der parlamentarischen Beratung.

Dass der Reformvorschlag von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), bundesweit ein auf dem Immobilienwert basie rendes Grund steuermodell einzuführen, keine länder übergreifende Zustimmung erfahren hat, wunderte IVD­Präsident Jürgen Michael Schick indes nicht. Er kritisierte in seiner Rede, dass die Grundsteuer von Teilen der Politik als sozialpolitisches Instru ment betrachtet wird, dabei dient sie tatsächlich der Finanzierung der gemeind lichen Infrastruktur. Das wertbasierte Modell setze die Grundsteuer mit einer Einkommen steuer für Eigentümer gleich. „Deshalb ist das Flächenmodell die sinnvollste und gerechteste Lösung“, sagte Schick.

Der DIT 2019 endete mit einer doppelten Portion an Powertraining mit Top­ Verkaufstrainer Mike Dierssen. Er ist einer der gefrag testen Verkaufs­ und Motivationstrainer Deutschlands und seit über 30 Jahren im Dienstleistungsbereich und im Verkauf tätig. Dierssen sagte: „Nichts auf der Welt ist ansteckender als Begeisterung!“ Und er fragte: „Welche Ansteckungsgefahr geht von euch aus?“ Es folgte begeisterter Applaus. Diese tolle Stimmung stand stellvertretretend für den gesamten DIT 2019. (ivd)

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